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// Crash Flashback - Christian Bernhard Lackenhof/Ötscher 2009



Eigentlich stimmt die Überschrift "flashback" (noch) nicht, da jegliche Information warum es zu diesem Crash gekommen ist nicht vorhanden/erinnerlich ist. Egal, ich beginne einfach mit der Geschichte einige Tage vor dem Unfall.

Retour von den World Masters Championships war mir, durch die Menge Spass und Freude die Lupo und ich hatten, eines klar: "die in den letzten beiden Jahren gewählte Dosis an Skirennsport ist einfach zu wenig". In Anbetracht der Ergebnisse, miesen Vorbereitung, Pistenverhältnisse & Startnummern handelte es sich hierbei erneut um eine klare Liebeserklärung für den Skisport.

Bereits bei der Rückfahrt von Piancavallo wurden Pläne für das nächste Jahr geschmiedet und somit kam ich trotz 1000km Autofahrt glücklich retour nach Wien. Schnell hatte mich das Leben und die Arbeit wieder, welches mich in den letzten Monaten durch zu viele "Baustellen" eher überforderte. Vielleicht war gerade deshalb die Lust nach mehr im Skisport wieder geweckt.

Einen Tag vor dem Unfall beschloss ich zum Abschluß der Skisaison bzw dem Beginn der Radsaison noch ein Event anzuhängen. Die Anmeldung war zwar beim 4:50min RSL in Gröden (Gardenissimo) bereits geschlossen aber durch die gesicherte Teilnahme von Lupo war es mir egal ob ich nun Fotografiere oder auch am Start stehe.


"8h Autofahrt, wurscht nach Kapstadt haben wir auch 32h gebraucht" - "und wegen dem Startslot - es fällt immer irgend jemand aus"

Motiviert ging es einen Tag darauf am 18.März 2009 mit Sylvia nach Lackenhof, ein bisschen Österreichische Meisterschaft der ÖSV Mädels schaun und für mich ein wenig Technik und Konditionstraining für den (vielleicht) kommenden RSL. Das Wetter zeigte sich eher von der stürmischen Seite somit wurde der Start gleich mal auf 11.00 verschoben. Fein! dachte ich mir, nun sitzens alle im Gasthaus und niemand fährt, sogar den Anruf vom Pedro mit einer Einladung zu einem Kaffee schlug ich aus.

Fünf Minuten nach dem Telefonat bei der zweiten Fahrt endet mein Film und beginnt zirka 30-40min später wieder in einem kleinen Raum bzw. dem Rettungs-Helicopter. Ein wenig steif, kalt, bisserl weh aber eigentlich entspannt versuche ich die ganze sache zu analysieren. Es kommt keine Antwort auf das "Warum?", das mich aber auch nicht weiter beunruhigt. Irgendwie nehm ich diese Situation zur Kenntnis, wahrscheinlich dank der Mittelchen (Dipidolor und später Torecan). Anhand meines Zeitgefühls und der mir erinnerlichen Information, würde ich die Zeit vom Sturz über den Heliabtransport bis zum Röntgen in Wiener Neustadt auf etwa 4-5min schätzen. Diese empfundenen 4-5min waren eigentlich sehr ok, ich denke v.a. dank Sylvia und den netten Doc´s und der Bergrettung. (in 5 Minuten vom Ötscher nach Wr. Neustadt soll mir mal wer nachmachen - ohne beamen!)




// Filmrißdaten | Sylvia

Ich werde mit meinem Bericht dort beginnen wo es für Christian aufhörte, wo sein Film endete und meiner begann...

Es war unsere zweite Fahrt in Lackenhof bei starkem Wind, und Christian warnte mich beim Aussteigen aus dem Sessellift noch aufzupassen, da der Schnee heute gefährlich sei. Ich nahm mir dies zu Herzen, wobei ich auch den Hang dort nicht unbedingt einfach fand und dadurch eher gemütlich unterwegs war. Wir fuhren oben gemeinsam los, in der Mitte wartete er noch auf mich, und fuhr dann weiter in den Steilhang. Die Piste war ungewohnt leer, es war niemand zu sehen, und plötzlich konnte ich auch Christian nicht mehr sehen.

Wo ist er nur? ging es mir durch den Kopf, und dann sah ich ihn, auf der linken Seite der Piste, auf dem Bauch liegend, mit dem Kopf talwärts, und einen Schi einige Meter weiter oben. Das darf jetzt nicht wahr sein, bitte mach dass das jetzt nicht wahr ist. Ich wartete darauf dass er sich bewegte, sich abschüttelte und aufstand, doch nichts dergleichen geschah, er lag einfach nur da und bewegte sich nicht.

Ich kam näher, und dachte weiterhin nur, dass das jetzt nicht wahr sein darf. Bei ihm angelangt rief ich seinen Namen, mehrmals, ich sah das Blut im Schnee und dann drehte er seinen Kopf zu mir, aus Nase und Mund blutend und spuckte etwas aus. Es war nur Schnee, und ich sah dass er zwar stark blutete, es jedoch eher harmlose Wunden der Oberlippe und der Nase waren, und befreite ihn von seinem linken Schi, öfffnete die Schischuhe und half ihm sich aufzusetzen. Und wie er dann vor mir im Schnee saß, ganz durcheinander, überhaupt nicht wirklich da, wie eine Hülle, wurde mir erst richtig klar dass da jetzt mehr passiert ist. Er wusste nicht wo er genau war, was für einen Tag wir hatten, was eben passiert ist und hatte nur diesen leeren Blick. Es fiel ihm schwer mich überhaupt anzusehen, und fragte mich ständig ob ich seinen Sturz gesehn hätte. Diese Frage stellte er mir ca. alle zwei Minuten, immer wieder die gleiche Frage:

"host das du gseng?"

Und dann war da mein unbekannter Helfer, er brachte Christians zweiten Schi, reichte mir ein Taschentuch gegen den Blutstrom aus der Nase der nicht enden wollte und wich uns nicht von der Seite. Er sprach nur englisch, wir sprachen auch kaum miteinander doch es war gut nicht allein zu sein. Als Christian begann am ganzen Körper zu zittern und ich feststellte dass beim Sturz der Reißverschluss seiner Jacke kaputt ging, gab er ihm sofort seine Jacke. Schließlich traf die Bergrettung mit dem Akja ein, ich hatte Peter angerufen und ihn gebeten einen herzuschicken. Christian klagte über Schmerzen im linken Fuß und im Rücken, mitte Brustwirbelsäule, doch was ihn am meisten beschäftigte war weiterhin ob irgendjemand seinen
Sturz gesehehn hat.
"Host das du gseng? - Hot des irgendwer gseng?"

Bei den Fragen die ich ihm stellte bezüglich seiner Orientierung fragte ich ihn auch ob er denn wisse wo er wohnt: oiso wenn i immer nu in der johnstrossn wohn daun bin i angfressn. Sein Humor war noch da, und das war gut.Auch dem netten Mann von der Bergrettung, der versuchte bei seiner linken Hand vergeblich einen Zugang für eine Infusion zu legen gab er den Ratschlag:

"gemma ins warme, dann tust dir leichter!"

Aufgrund Christians Rückenschmerzen, seiner Orientierungslosigkeit wurde eine Hubschrauberbergung beschlossen, er wurde mit einer Halskrause versorgt und mit dem Akja nach unten in die warme Hütte der Bergrettung gebracht. Sein Zittern wurde immer schlimmer, und obwohl er sich zu Beginn so gegen den Akja wehrte und unbedingt mit dem Ratrack fahren wollte fühlte er sich wohler, eingehüllt und stabiliesert im Akja liegend. Im warmen bekam er dann auch gleich eine Infusion, wir zogen ihm die Schischuhe aus, und in dem winzig kleinen Raum, mit mittlerweile zwei Männern der Bergrettung und zwei Ärzten herrschte eine der schlimmen Situation trotzende angenehme Atmospähre. Auch christian war ganz ruhig, er sah die Männer über sich und fragte immer: "
und wer bist du? und wer bist du?"

Etwas Bedenken hatte er bezüglich seiner Nase, und ob er denn wieder ein fescher Christian wird. Nur hin und wieder schien ihm die Tragweite das ganzen, die Situation in der er war, bewusst zu werden. Das waren Sekunden, wo er Tränen in den Augen hatte, und ein kleines leises Scheisse murmelte. Schließlich kam der Hubschrauber, ich packte seine Schuhe, den Helm, Schi, Stöcke, Handschuhe und Brille, und während er in den Hubschrauber verfrachtet wurde machte ich mich auf den Weg ins Tal. Mein Kopf war leer, ich wusste nur eins: ich muss so schnell ich kann ins Krankenhaus Wr. Neustadt, dorthin wo mein Christian mit dem Hubschrauber unterwegs war. Auch wähhrend der Autofahrt versuchte ich mich zu konzentrieren, zu fahren so schnell wie möglich, und nicht viel nachzudenken. Fahr einfach, du musst zu ihm....






// Der Befund

Schluß mit lustig war es für einen kurzen Moment nach der Röntgen Diagnose "Fraktur von C6 u.C7". Mit Sicherheit war ich zu diesem Zeitpunkt schon wieder mehr auf dieser Welt, aber mein Wissen durch meinen Beruf erleichtert eine solche Diagnose sicherlich nicht. Erst die Antwort auf mein Nachfragen "Wo ist die Fraktur?" entpannte mich maximal und ließ die weiteren Untersuchungen geschmeidig an mir vorüberziehen.


Nach Abklärung von Computertomographie Schädel/HWS/BWS, Röntgen HWS/BWS blieb ich wirklich glücklich auf folgenden Diagnosen im Krankenzimmer "liegen":

  • Fraktur Dornfortsatz von C6 und C7
  • schwere Gehirnerschütterung
  • Sprungelenk/Knie/Hüfte ohne Befund (jedoch ziemlich zerstört, v.a. gehen kaum möglich)
  • Gesicht/Nase ohne Befund ("a Männergsicht ohne Krotza is wie a Hirsch ohne Gwei")
  • Gehirn/Schädel ohne Befund



Bereits am nächsten Tag ging es heimwärts da ich bis Montag auf ein MRT warten hätte müßen. Die darauf folgende Nacht glich einem Horrorfilm. Muskelspasmen Hws, Zwerchfell, Bauch. Deshalb ging es am nächsten Tag gleich weiter ins UKH Meidling zu den abschließenden Untersuchungen.

Im UKH Meidling wurden dann neben dem MRT der BWS und HWS noch ein Thoraxröntgen sowie Neurotests durchgeführt. Gott sei Dank alle ohne Befund. Den Spasmen entgegenzuwirken und meinem Gehirn Ruhe zu gönnen blieb ich dann bis Sonntag mit Schmerzinfusionen (Neodolpasse) im KH. Nahzu stündlich ertappte ich mein Kurzzeitgedächtnis bei kleinen Fehlern. (Hab ich das schon gefragt? - Warst Du heute oder gestern da? usw..






// Wie gehts?

Nun, eine Woche nach dem schweren Sturz, kann ich bereits wieder "gerade" denken und ertappe mich nur hin und wieder bei kleinen Denkhängern. Egal ob die fehlende Info durch den Filmriß irgendwann zu Tage kommt, oder ich dann weiß wie es zu diesem Sturz kam, eines ist definitv: Es war hart am Limit und ich freue mich eindeutig über das Glück im Unglück. Somit ertrage ich das Gefühl einer deplatzierten 40kg Langhantelstange im Nacken mit einem Lächeln und freue mich auf meine Comeback in etwa 8 wochen (geschätzt 5-6 Wochen :-))


"es fühlt sich an als ob man begeistert einen Film im Kino sieht, dann kurz aufs WC gehen muß und bei der Rückkehr sich die gesamte Handlung verändert hat und Dir keiner sagen was passiert ist."





// Danke

Ein riesiges und herzliches Dankeschön an...

  • Sylvia: auch wenn ich mich (noch) an nichts erinnere, danke für Deine Erstversorgung und vorab für die kommenden Wochen."Entschuldigung für einen deiner härtesten Tage"
  • meinem Bruder Andreas fürs UKH Meidling checken, besuchen, behandeln und helfen und da sein (inkl. DKT Ilse)
  • Mom & Dad fürs besuchen und heimbringen
  • die Physiotherapie im UKH Meidling sowie Fr. Dr. Stergar für die prompte und tolle Hilfe. Dank Euch ging alles spitze und rasch über die Bühne.   
  • Peter Kropf fürs die Unterstützung von Sylvia in der heißen Phase
  • Bergrettung, den Doc´s (u.a. Dr. Thomas Müllner) und Helfern für die Unterstützung. "irgendwie hab ichs echt kuschelig in Erinnerung"
  • Renate Gabriel, Raphael Van Assche & Bettina Haintz, fürs behandeln, reden und unterstützen. Sowie Stefanie Supper und Karin Klummer für die Terminverwaltung meines Ordinationsplans.
  • KH Wr. Neustadt und UKH Meidling
  • all jenen fürs an mich denken, anrufen und sms/email/forum schreibseln


I am (nearly) back

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